Samstag, den 26. Mai 2018

Mit Überkinger Sanft durch stürmische See

Überkinger!!!  Was für ein Marke zu Zeiten des legendären „Sir“ Otto Neidhardt.

  • Überkinger: Synonym für sauren Sprudel
  • Überkinger: Synonym für Zukunftsbranche
  • Überkinger: Synonym für Engagement in Geislingen und der Region

Doch dann kam die unsägliche Natriumdiskussion und mit ihr viele Probleme von Marke und Konzern. Die Position des Mineralwasserprimus in Bayern wurde an Adelholzener verloren. Das Wasser der barmherzigen Schwestern aus dem idyllischen Alpenort überzeugte mit der Auslobung „Natriumarm“ sowie „Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ . Zusätzlich verfolgten viele Wettbewerber den Dachmarkenansatz und mischten so den Markt neu auf. Überkinger hingegen konzentrierte sich lange Zeit auf ein Mehrmarken-Marketing  und verlor vielleicht auch deshalb. Man setze lieber auf den Relaunch altbekannter, aber auch kostenintensiver Marken wie Bluna und Afri Cola.

Auch personalmäßig waren die Bad Überkinger ab und an in den Schlagzeilen. Legendär ein hochkarätiger  Di-Mi-Do Manager aus Bremen, der tatsächlich montags und freitags seine freien Tage nehmen konnte,  bevor er von den Verantwortlichen für immer  in die Wüste geschickt wurde.

Unternehmenspolitisch sorgte die Beteilung der saarländischen  Karlsberg-Brauerei  vielleicht ( ???) für eine Ablenkung der Konzentration auf das Kerngeschäft. Am 1. Januar 2008 wurde zudem das Fruchtsaftunternehmen Tucano Holding dem saarländischen Großaktionär für 23,1 Mio. Euro abgekauft. Und schon wieder kreisten sicherlich die Gedanken um andere Marken.

  • Merziger (Merziger Fruchtgetränke GmbH in Merzig)
  • Niehoffs Vaihinger (Niehoffs Vaihinger Fruchtsäfte GmbH in Merzig)
  • Klindworth (Klindworth Fruchtsäfte GmbH in Sittensen)
  • Lindavia
  • Schloss Veldenz (Niehoffs Vaihinger Fruchtsäfte GmbH in Merzig)
  • DCide

Zum 31. Dezember 2008 wurde dann die Mineralwasser-Tochterfirma „Remstal-Quellen“ in Waiblingen geschlossen. In Bad Imnau, einem weiteren Tochterunternehmen, kursieren derzeit ebenso wilde Gerüchte. Bemerkenswert auch die Schlagzeilen des Hauptaktionärs in diesem Jahr. Die Karlsberg-Holding hat den 45 prozentigen Anteil der BHI, einem Zusammenschluss der Schörghuber Unternehmensgruppe und Heineken, wieder übernommen.

Pro-Kopf-Verbrauch

  

  

  

  

  

  

  

 

Obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch an Mineralwasser in Deutschland – nicht nur aus Sicht von Brauereien – mit traumhaften Quoten stieg, konnte sich die Marke Überkinger  nie erholen, büßte kontinuierlich Umsätze ein. Die Discounter setzten mit 19 Cent pro 1,5 Liter Mineralwasser Maßstäbe. Sehr kompliziert waren weiterhin die Themen Gebinde, Zwangspfand …

Im Mai diesen Jahres sorgte zudem foodwatch mit Ihrer Veröffentlichung für großen Wirbel. Fast jedes 8 . Mineralwasser sei sehr stark mit Uran belastet. Und wieder war Überkinger negativ in den Schlagzeilen.  Erstaunlicherweise interessierte  SanPellegirino , ebenso betroffen,  fast niemanden. Alle stürzten sich auf die Marke aus dem Kreis Göppingen. Bild.de bezog sich auf eine weitere Untersuchung von Ökotest und schrieb sogar „Achtung: Besonders schlecht schnitt das Wasser Überkinger Medium ab. Es hat einen erhöhten Arsen-, Bor-, Uran- und Fluorid-Wert.“

So in die Enge getrieben, waren auch die Marketingentscheidungen manchmal nicht mehr ganz nachvollziehbar. Einerseits warb man mit “Offizieller Mineralwasser-Supplier des dhb“  auf der anderen Seite zog man sich bei den Damen des Handball-Bundesligisten Frisch-Auf-Göppingen zurück.

Die Füllmengen sind von 340 auf 60 Millionen Liter pro Jahr gesunken, aus früher sechs Schichten wird, wenn neue Pläne greifen, ein Einschichtbetrieb. Die Stuttgarter Zeitung  spricht sogar die Vermutung aus, dass die  Minag den Standort Überkingen komplett dicht macht.

In diese Schlagzeilen lässt der umtriebige Vorstandvorsitzende Heinz Breuer mit einer erfreulichen Meldung aufhorchen: Im Standort Bad Überkingen wurde mit der Erstabfüllung des neuen, in drei Varianten erhältlichen „Überkinger Sanft“ begonnen. Das Wasser stammt aus der neuen „Jura“-Quelle bei Hausen. Nachdem Otto Neidhardt über 100 Mineralwasserbohrungen hat durchführen  lassen, scheinen die Verantwortlichen jetzt fündig geworden zu sein. Vielleicht ist es ja der 6er im Mineralwasser-Lotto.

Hoffen wir alle, dass die neue Sanft-Variante das Schiff Überkinger sicher durch stürmische Gewässer bringt!

 

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