Montag, den 18. Dezember 2017

Mit Essiggurken-Manager: Aqua Römer GmbH Raebels Erbe

Quelle & Copyright: Getränke Inside 2013

Der Beirat der Aqua Römer GmbH, des kleineren Standbeins der 80 Mio Euro Umsatz schweren, auf Kliniken spezialisierte Christophsbad GöppingenDr. Landerer Söhne GmbH, hat letzte Woche überraschend das Management ausgetauscht. Zur Not-OP oder zur Reha?

Ein nüchterner Aushang an die Mitarbeiter verriet letzte Woche Freitag, dass Dr. Bernd Raebel die rund 180 Mio Liter große Brunnen- Gruppe (mit dendrei Betriebsstandorten in Baden-Württemberg Aqua Römer-Mainhardt, Römerquelle-Bad Niedernau, Göppinger Mineralbrunnen sowie dem Schwesterunternehmen Freyersbacher) verlässt. Nach 13 Jahren finden Beirat und Dr.Ulrich Pross als Gf der Holding Christophsbad Göppingen Dr. Landerer Söhne GmbH nur wenig Worte zum Abschied.

Nachschub von Kühne Kurz nach dieser knappen Mitteilung zauberte der Beirat unterdem Vorsitz von Fritz-Dieter Heckmann auch das neue Management der Brunnen-Union aus dem Gurkenglas: Andreas F. Schubert,bislang Vorsitzender der Geschäftsleitung beim Familienunternehmen Carl Kühne KG (Essiggurken, Senf etc.), wird dieFührung der Brunnen-Union als Vorsitzender der Geschäftsführung übernehmen. Schubert, 63, hat auch eine Geschäftsführerin Marketing und Vertrieb im Gepäck: Chris tina Lauber. Die 46-jährige frühere Valensina/ Pu nica-Frau war drei JahreMarketingleiterin der Mineralbrunnen AG in Bad Überkingen (2008 bis 2011),bevor sie bei der Stuttgarter Unternehmensberatung Management PartnerGmbH an dockte. Der Beirat habe mit dem Wechsel in der Chefetage „auf die schon vor längerer Zeit getroffene Entscheidung von Bernd Raebelreagiert, das Unternehmen mit seinen aktuell 200 Mitarbeitern zu verlassen“, wird KarlRemppel, Aqua Römer-Ge schäfts führer für Rechnungswesenund Controlling, in der Göppinger Regionalpresse zu den Ereignissen in Jebenhausen zitiert. Bei den Spekulationen scheint nur einessicher: Dass Dr. Raebel die Brunnen-Union verlassen wird, ist in der Holding seit sechs Monaten bekannt.

Befürchtungen

INSIDER führen Gründe für eine einseitige Trennung von Dr. Raebel an. Z.B. steht es um die Standorte Göppingen der rund 180 Mio Liter große Brunnen-Union nicht so tadellos, wie es Raebel gerne in der Öffentlichkeit darstellte. Bei Freyersbacher gehen in ein paar Tagen endgültig die Lichter aus (die Rechnung dafür soll die Deutsche Bahn bezahlen; INSIDE 671). Und auch für den Betrieb in Göppingen stehen die Zeichen nicht gut. Dr. Ulrich Pross, Gf der mit einer Eigenkapitalquote von über 50 Prozent ausgestatteten Holding, notiert in der 2011er Bilanz: „Entscheidend für die Zukunft unserer gesamten Unternehmensgruppe unter Beibehaltung der Betriebsstandorte Mainhardt und Göppingen wird die wirtschaftliche Entwicklung des Göppinger Mineralbrunnens sein. Sein Fortbestand wird maßgeblich von dem Umsetzungsgrad definierter Maßnahmen in den nächsten Monaten bestimmt, mit denen der Standort erhalten werden soll. Es besteht das Risiko, dass die genannten Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen. Für diesen Fall ist ein Szenario vorgesehen, dass die Fortführung unseres Unternehmens auch ohne den Betriebsstandort Göppingen vorsieht.“ Inzwischen wurde der Standort (zugleich Firmensitz der Brunnen-Union) von Dr. Raebel wieder zum Lohnfüller um funktioniert. Hauptkunde ist Edeka,die man mit Gut & Günstig bedient. INSIDER sprechen dabei von fast 50 Mio Liter, die z.T. von der Mineralbrunnen AG abgestoßenwurden.

Bei Aqua Römer in Mainhardt läuft es auch dank des wieder aufgenommenen Volumengeschäfts mit der Zweitmarke Naturparkquelle. Dort gerät man aber immer wieder in das Metaboliten-Gerede: Für eine der (inzwischen dichtgemachten) Aqua Römer-Quellen ficht die Brunnen-Union ge meinsam mit vier weiteren Brunnen ein Metaboliten-Scharmützel mit dem Land Baden-Württemberg aus, das die Quellen schließen lassen will. Das neue Führungstrio hat also genügend Löcher zu stopfen.

Auf jeden Fall wären mit dem neuen Boss Schubert evtl. unliebsame Entscheidungen bei der Belegschaft leichter durchzusetzen als mit Dr. Raebel. Der selbstbewusste Porsche Cayenne-Fahrer hatte  sich 2005 mit weiten Teilen der Belegschaft angelegt (INSIDE 485), die Gewerkschaft hatte dies bei den folgenden Maßnahmen nie vergessen. Zu erahnen auch in der Bilanz 2011: „Kürzungen von Urlaubs- und Weihnachtsgeld konnten nicht im geplanten Umfang mit der Gewerkschaft vereinbart werden.“ Unterdessen lässt Dr. Raebel in Gesprächen mit INSIDERN durchblicken, dass er bereits einen Arbeitsvertrag mit einem neuen Arbeitgeber in der Tasche hat. Zumindest im Gespräch sein soll der Theologe bei der von der Hövelmann Gruppe vor zwei Jahren eingekauften rund 40 Mio Edel-Liter großen Staatlich Fachingen GmbH. Dort hält der langjährige Gf Wolfgang Schäfer Ausschau nach einen geeigneten Nachfolger für sich. Schäfer darf nächstes Jahr in den Ruhestand gehen. Durch den Heilwasser- Ausschuss des GDB, wo Dr. Raebel die Heilwässer St. Christophorus und Römerquelle vertritt, kennt man sich. Mehr als eine Vermutung?– Raebel will in „zwei, drei Wochen“ mehr zu seinen neuen Arbeitgeber preisgeben.

Quelle & Copyright: Getränke Inside 2013

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